Glossar

A

Acetylcholin

Wichtiger chemischer „Botenstoff“, der Informationen von Nervenzelle zu Nervenzelle transportiert. Parkinson-Kranke leiden offenbar unter einem Ungleichgewicht zwischen Acetylcholin (relativer Überschuss!) und Dopamin (absoluter Mangel!). Gängige Behandlungsstrategien zielen darauf ab, ein ausgewogeneres Verhältnis wieder herzustellen.

Akinese

griechisch: a - nicht; kinesis - Bewegung

Unbeweglichkeit

Anticholinergika

Medikamente, welche die Aktivität des Botenstoffs Acetylcholin dämpfen. Reservemedikamente in der Therapie des Morbus Parkinson.

Antieepileptikum

Medikament zur Therapie von epileptischen Anfällen

Augmentation

Bezeichnet beim Restless Legs Syndrom eine Intensivierung der Symtome trotz gleichbleibender Medikation durch Verstärkung der Symtomatik, Wandern der Symptome von den Unterschenkeln zu den Oberschenkeln (oder Auftreten an den Armen) oder früheres Auftreten der Symtome am Tag.

Autonomes Nervensystem (ANS)

Synonyme: vegetatives Nervensystem, viszerales Nervensystem, VNS, idiotropes Nervensystem

Ist der Teil des Nervensystems, der weitgehend der willkürlichen Kontrolle entzogen ist, also autonom ist und sich somit nicht willentlich beeinflussen lässt.

B

Blut-Hirn-Schranke

Barriere zwischen Blutkreislauf und zentralem Nervensystem (ZNS).

Botenstoffe im Gehirn

Synomym: Neurotransmitter

Dabei handelt es sich um biochemische Stoffe, welche die Reize von einer Nervenzelle zu einer anderen Nervenzelle oder Zelle weitergeben, verstärken oder modulieren.

Bradykinese

griechisch: bradys - langsam; kinesis - Bewegung

Bewegungsverlangsamung

C

Computertomographie (CT)

Bildgebendes Verfahren das mithilfe von Röntgenstrahlungen durchgeführt wird. Schichtweise aufgenommene Bilder liefern umfassende Informationen über das Körperinnere. Die Durchführung erfolgt ambulant.

COMT-Hemmer

Arzneimittelgruppe zur Behandlung der Parkinson-Krankheit. COMT ist eine Abkürzung für Catechol-O-Methyl-Transferase und bezieht sich auf ein Enzym, das im Körper Dopamin und L-Dopa abbaut. Eine Hemmung des Enzyms hat zur Folge, dass dem Körper mehr Dopamin bzw. L-Dopa zur Verfügung steht.

D

Decarboxylase-Hemmer

Kompetitiver Hemmstoff der DOPA-Decarboxylase; Dadurch verzögerter Abbau von L-DOPA (Levodopa).

Degenerativ

lateinisch: de - herab; generare - schaffen

Durch Verschleiß bedingt bzw. durch Abbau gekennzeichnet; funktionsmindernd.

Depression

Gekennzeichnet durch z.B. Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit und (schnelle) Erschöpfung.

Derivate

Chemische Verbindungen, die aus einer anderen chemischen Verbindung entstanden sind

Dopamin

Im Rahmen der Parkinson-Krankheit vermutlich wichtigster „Botenstoff“, der Informationen zwischen Nervenzellen überträgt. Bei Menschen mit der Parkinson-Krankheit verarmt der Körper an Dopamin, was durch Medikamente (L-Dopa, Dopaminagonisten) ersetzt werden kann.

Dopamin-Agonist

Wirkstoff, der wie Dopamin wirkt und Dopamin-Rezeptoren stimuliert.

Dopamin-Stoffwechsel

Synonym: Dopamin-Metabolismus

Prozess der den Aufbau & Abbau von Dopamin im Körper beschreibt.

Dopaminerg ((wirkende Substanzen))

Durch Dopamin bewirkt, auf Dopamin ansprechend

E

Epilepsie

Gruppe von Erkrankungen, die mit anfallsartigen und unwillkürlichen Bewegungen, Störungen der Sensibilität und/oder des Bewusstseins einhergehen.

Ergoline und nicht-ergoline Dopaminagonisten

Dopaminagonisten lassen sich anhand ihrer chemischen Struktur in ergoline und nicht-ergoline Substanzen unterteilen. Ergoline Dopaminagonisten leiten sich als Derivate von Ergolin ab, dessen Struktur das Grundgerüst der Mutterkornalkaloide ist.

Extrapyramidalmotorisches System (EPMS)

Teil des Nervensystems, das für automatische Bewegungsabläufe verantwortlich ist und das von der Parkinson-Krankheit besonders betroffen wird.

F

Familiäres RLS

Idiopathisches RLS, das gehäuft innerhalb einer Familie auftritt.

Folsäure

Vitamin aus der B-Familie, das vor allem für die Zellteilung und damit der Zellneubildung gebraucht wird. Folsäure ist besonders in grünem, frischem, ungekochtem Gemüse vorzufinden.

I

Idiopathisch

griechisch páthos = Leiden, Krankheit

Ohne erkennbare Ursache, selbstständig, unabhängig von anderen Krankheiten entstanden

Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS)

Synonym: Morbus Parkinson

Chronisch fortschreitende Erkrankung, bei der es zu einem Untergang von Neuronen in der Substantia Nigra kommt. Gekennzeichnet durch die Symptome Zittern (Ruhetremor), Bewegungsarmut (Hypokinese), Muskelsteifigkeit (Rigor) und gestörte Stellreflexe (posturale Instabilität).

K

Kardioversion

Ist die Wiederherstellung des normalen Rhythmus bei Herzrythmusstörungen. Hierbei unterscheidet man zwischen medikamentösen und elektrischen Kardioversionen. Letzter werden noch einmal unterschieden in externe z.B. durch Defibrilator und interne elektrische Kardioversionen mittels Implantat am Herzen.

Klinische Symptome

Bei der körperlichen Untersuchung erkennbare Zeichen.

L

L-Dopa

Synonym: Levodopa

L-Dopa ist die Vorstufe des Botenstoffes Dopamin (Dopamin-Vorstufe), der in der schwarzen Substanz des Gehirns von dopaminergen Nervenzellen gebildet wird. Es kann im Gegensatz zum pharmakologisch aktiven Dopamin die Blut-Hirn-Schranke überwinden.

L-Dopa-Test

Neuropharmakologischer Test, der zur Diagnose von Morbus Parkinson und Restless Legs Syndrom eingesetzt wird. Verbessern sich die Beschwerden nach Einnahme von 100 mg L-Dopa, ist das Vorliegen eines RLS sehr wahrscheinlich.

M

Magentresonanztomographie (MRT)

Anders als beim CT werden beim MRT, anstatt von Röntgenstrahlen, ein starkes Magnetfeld und Radiowellen eingesetzt. Innerhalb kurzer Zeit lassen sich Schichtaufnahmen jeder gewünschten Körperregion anfertigen. Ein Computer errechnet aus den gewonnene Daten Ansichten der untersuchten Körperregion. Die Ergebnisse werden im Anschluss durch einen Radiologen ausgewertet.

MAO-B-Hemmer

ABKÜRZUNG für Monoaminooxydase-B-Hemmer

Medikament zur Behandlung des Morbus Parkinson. MAO-B-Hemmer bremsen Abbau von Dopamin, sodass mehr Dopamin verfügbar bleibt.

Morbus Parkinson

Synonyme: Parkinson-Syndrom, Parkinson-Krankheit

Chronisch fortschreitende Erkrankung, bei der es zu einem Untergang von Neuronen in der Subsatntia Nigra kommt. Gekennzeichnet durch die Symptome Zittern (Ruhetremor), Bewegungsarmut (Hypokinese), Muskelsteifigkeit (Rigor) und gestörte Stellreflexe (posturale Instabilität).

Multiple Sklerose

Synonym: Encephalomyelitis disseminata

Entzündlich-degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems.

N

Nahrungseiweiß

Synonym: Proteine

Proteine sind Grundbausteine des menschlichen Organismus. Um diesen mit Energie zu versorgen, braucht der Körper neben Flüssigkeit, Kohlehydraten und Fett u.a. Nahrungseiweiß. Dieses ist beispielsweise in Form von Fleisch, Fisch aber auch Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten sowie Milch- und Sojaprodukten enthalten.

Nervenkontaktstellen

siehe Rezeptoren

Stelle einer Nervenfaser oder spezialisierten Zelle, die Reize aufnehmen und in Erregungen umwandeln kann.

Nervensystem

Unterteilung des Nervensystems in Zentralnervensystem (ZNS) und peripheres Nervensystem (PNS). Das ZNS umfasst das Gehirn und das Rückenmark. Das periphere Nervensystem umfasst Nerven, die vom Rückenmark zu den Organen ziehen.

Nervenzellen

Synonym: Neurone

Spezialisierte Zellen, die für die Reizaufnahme sowie die Weitergabe und Verarbeitung von Nervenimpulsen (Erregungsleitung) zuständig sind.

Neurologisch

Das Nervensystem betreffend.

Neurologische Untersuchung

Körperliche Routineuntersuchung zur Diagnose zentraler oder peripherer neurologischer Funktionsstörungen. Der durch die neurologische Untersuchung erhobene Befund wird als neurologischer Status bezeichnet.

Neuropathie / Polyneuropathie

Oberbegriff für bestimmte Erkrankungen des peripheren Nervensystems; kann einen oder mehrere Nerven betreffen.

Neurotransmitter

siehe Botenstoffe im Gehirn

Überträgerstoffe, die auf chemischem Wege Impulse von einer Nervenzelle auf die nächste transportieren.

NMDA-Rezeptor-Antagonisten

Synonym: NMDA-Antagonisten

Medikamente, die die Wirkung von Glutamat an sog. NMDA (n-Methyl-D-Aspartat) Rezeptoren hemmen.

O

Opiatrezeptorantagonist

Synonym: Opioidantagonist

Die Opiatrezeptorantagonisten wirken hemmend an Opioidrezeptoren.

Opioide

Medikamente, die eine schmerzdämpfende Wirkung an den sogenannten Opioidrezeptoren besitzen. Opioidrezeptoren finden sich vor allem im zentralen Nervensystem (ZNS), also im Gehirn und im Rückenmark. Deshalb entfalten die Opioide – anders als die Nicht-Opioid-Analgetika – ihren schmerzlindernden Effekt in erster Linie dort, indem sie die Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzreizen unterdrücken. Häufige Nebenwirkungen: Darmträgheit und Verstopfung sowie Übelkeit und Erbrechen. Opioide unterliegen, wegen ihrer potenziellen Suchtgefahr, dem Betäubungsmittelgesetz (BtM).

P

Parkinson-Syndrom (PS)

Synonyme: Morbus Parkinson, Parkinson-Krankheit

Chronisch fortschreitende Erkrankung, bei der es zu einem Untergang von Neuronen in der Subsatntia Nigra kommt. Gekennzeichnet durch die Symptome Zittern (Ruhetremor), Bewegungsarmut (Hypokinese), Muskelsteifigkeit (Rigor) und gestörte Stellreflexe (posturale Instabilität).

Parkinson-Trias

Syndrom bestehend aus den Symptomen  

  • Akinese bzw. Bradykinese
  • Rigor
  • Tremor

Pathologisch

abnorm, anomal, extrem, krankhaft, maßlos, übermäßig

Pathomechanismus

Ursächlich zusammenhängende Vorgänge im Körper (Kausalkette), die in ihrer Gesamtheit zu einer Krankheit führen.

Periodische Beinbewegungen im Schlaf (PLMS) oder Wachzustand (PLMW)

Plötzlich zuckende Bewegungen der Arme oder Beine, die oft bei einem RLS auftreten.

Periodische Bewegungen der Extremitäten (PLMD)

Synonym: Periodic Limb Movement Disorder (PLMD)

Erkrankung, bei der neben periodischen Bewegungen der Extremitäten (Beine, Arme) im Schlaf (PLMS) gleichzeitig Schlafstörungen bestehen.

Positronenemissionstomographie (PET)

Nuklearmedizinische bildgebende Untersuchungsmethode; Wird z.T. bei der Diagnostik des Morbus Parkinson eingesetzt.

Primäres Restless Legs Syndrom

Synonym: Idiopathisches RLS

Restless Legs Syndrom, dessen Ursache unklar ist.

Prodrug

Vorstufe eines Arzneistoffes, die pharmakologisch inaktiv ist und erst durch einen Umwandlungsschritt im Körper in die eigentliche Wirkform überführt werden muss.

Progredient

voranschreitend

Psychopharmaka

Substanzen, die bestimmte Stoffwechselvorgänge im Gehirn beeinflussen.

Pyramidenbahn

Nervenbahn im Gehirn und Rückenmark, die Impulse der willkürlichen Motorik überträgt.

James Parkinson

Englischer Arzt und Erstbeschreiber der Krankheit Morbus Parkinson (1755 bis 1824).

R

Retard-Präparate

Arzneimittel, die den Wirkstoff nur langsam abgeben.

Rezeptoren

„Empfangseinrichtung“ einer Zelle für Signale („Botenstoffe“) aus anderen Zellen; Medikamente „koppeln“ (lagern sich) meist an Rezeptoren an und beeinflussen so die Zellfunktion.

Rigor

lateinisch: rigor - Starre

Erhöhte Muskelspannung, die von Betroffenen als Steifigkeitsgefühl teilweise mit ziehenden Missempfindungen empfunden wird.

RLS-Schweregradskala

Synonym: RLS Severity Scale (IRLS)

Beschreibt, wie schwer ein Patient vom RLS betroffen ist. Die Einteilung erfolgt nach der Schweregradskala (International RLS Severity Scale (IRLS). Diese wird anhand eines 10 Fragen umfassenden Beurteilungsbogen ermittelt.

S

Schilddrüsenhormone

Botenstoffe (Hormone), die von der Schilddrüse gebildet werden.

Sekundäres Parkinson-Syndrom

Synonym: symptomatisches Parkinson-Syndrom

Parkinson-Syndrom, dem eine bekannte Ursache zugrunde liegt:

  • inflammatorisch (z.B. nach Enzephalitis oder bei HIV-Enzephalopathie)
  • medikamenten-induziert (z.B. bei Therapie mit Dopamin-Antagonisten)
  • metabolisch (z.B. bei Morbus Wilson)
  • posttraumatisch
  • toxininduziert (z.B. durch Kohlenmonoxid, Mangan)
  • vaskulär (z.B. bei Morbus Binswanger)

 

Sekundäres Restless Legs Syndrom

RLS, das bei einer Schwangerschaft oder infolge anderer Erkrankungen, z.B. Nierenerkrankungen oder Eisenmagel, auftritt.

Serotonin

Botenstoff, der als Neurotransmitter im peripheren und zentralen Nervensystem vorkommt. Beeinflusst u.a. Stimmungen, Verhalten, Schlaf-Wach-Rhythmus, Körpertemperatur, Schmerzwahrnehmung, Appetit, Erbrechen, Muskeln und Nerven sowie Vielzahl von Gefühlen wie Aggression und Angst.

Single-Photon-Emission-Computertompgraphie (SPECT)

Nuklearmedizinische Untersuchungsmethode, zur Beurteilung der Stoffwechselaktivität in Organen wie Herz, Gehirn und Knochen.

Stimulation

Ankurbelung, Erhöhung, Stärkung, Steigerung, Verstärkung

Substantia Nigra

„Schwarze Substanz“, im Mittelhirn gelegener paariger dunkler Kern, Teil des extrapyramidalen Systems; bei Parkinson-Kranken fehlt der typische schwarze Farbstoff (Melanin) weitgehend.

Supportiv

Unterstützend, hilfreich, zusätzlich

Symptom

Krankheitszeichen

Synapse

griech. σύν syn ’zusammen‘; ἅπτειν haptein ’greifen, fassen, tasten‘

Syndrom

Zusammenfassung verschiedener Krankheitszeichen (Symptome) zu einem Krankheitsbild.

T

Thomas Willis, Theodor Wittmaack, Karl-Axel Ekbom

Die Krankheitszeichen eines RLS wurden in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts von Thomas Willis zum ersten Mal beschrieben. Im Jahre 1861 benannte der deutsche Kliniker Theodor Wittmaack die Erkrankung nach ihrem auffälligsten Symptom, den unruhigen Beinen, als Anxietas tibiarum. Die Bezeichnung Restless Legs wurde 1945 von dem Stockholmer Neurologen Karl-Axel Ekbom geprägt.

Tiefenhirnstimulation

Behandlungsmethode des Morbus Parkinson, bei der operativ Elektroden in bestimmten Hirnregionen platziert werden, die durch elektrische Stimuation zu einer Besserung der Symptomatik führen.

Transmitter

Überträgerstoff im Gehirn, der Nervenimpulse auf chemischem Weg weiterleitet (Beispiele: Dopamin, Acetylcholin).

Tremor

lateinisch: tremere - zittern (siehe auch Ruhetremor)

Bewegungsstörung mit unwillkürlichen, sich rhythmisch wiederholenden Kontraktionen antagonistischer Muskelgruppen; äußert sich meist als Zittern.

V

Vitamin B12 (Cobalamin)

Vitamin B12 ist ein ein wichtiges wasserlösliches Vitamin, das bei verschiedenen Stoffwechselvorgängen, wie am Abbau bestimmter Fettsäuren, eine wichtige Rolle spielt. Da es vom Körper nicht selbst gebildet werden kann, muss es über die Nahrung aufgenommen werden. Vitamin B12 ist besonders wichtig für das Nervensystem, hat aber auch eine schützende Wirkung für das Herz-Kreislauf-System.

Z

Zentrales Nervensystem (ZNS)

Synonym: Zentralnervensystem

Ist neben dem peripheren Nervensystem der Teil des Nervensystems, welcher aus Gehirn und Rückenmark besteht.

Nach oben