Therapien bei RLS

Medikamentöse Therapie und alternative Behandlungsmethoden

Viele Betroffene bekommen ihre RLS-Erkrankung durch Veränderungen der individuellen Lebensgewohnheiten in den Griff. Dabei kann es zumindest anfänglich helfen, die Situationen, in denen die RLS-Symptome auftreten, möglichst zu meiden. Hilfreich ist es darüber hinaus, bestimmte Schlafregeln zu berücksichtigen.

Zahlreiche Medikamente und darin enthaltene Zusatzstoffe wie Koffein, sind in der Lage, RLS-Symptome auszulösen. Daher sollten die Betroffenen in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt überprüfen, ob sie möglicherweise unwissend RLS-verstärkende Medikamente einnehmen und gegebenenfalls nach alternativen Medikamenten bzw. Behandlungsmethoden suchen. Dabei ist es aber wichtig, niemals eigenmächtig Medikamente abzusetzen, sondern stets den behandelnden Arzt zu befragen.

Bei Vorliegen eines sekundären RLS kann die effiziente Behandlung der RLS-auslösenden Erkrankung, wie Nierenversagen oder Eisenmangel, dazu führen, dass die RLS-Beschwerden zurückgehen.

Diese Maßnahmen sind allerdings für einige Betroffene, die unter RLS leiden, nicht ausreichend, um eine anhaltende Linderung der Beschwerden zu erreichen. Ist die Lebensqualität durch mittelschwere bis starke Beschwerden eingeschränkt, kann eine medikamentöse Therapie erforderlich werden.

Viele Betroffene können ihre Beschwerden lindern, indem sie ihre Lebensgewohnheiten ändern und Situationen vermeiden, in denen RLS-Symptome auftreten.
Viele Betroffene können ihre Beschwerden lindern, indem sie ihre Lebensgewohnheiten ändern und Situationen vermeiden, in denen RLS-Symptome auftreten.

Medikamentöse Therapie

Dopaminerge Medikamente (L-Dopa, Dopamin-Agonisten)

RLS-Beschwerden können hinsichtlich ihrer Ausprägung und Häufigkeit reduziert werden. Dies gilt auch für die Dauer der auftretenden Beschwerden. Eine Heilung des RLS-Syndroms ist allerdings bislang nicht möglich.

Zur Linderung der Beschwerden kommen vor allem Wirkstoffe zum Einsatz, die das dopaminerge System im Gehirn, also die Nervenzellen, die auf dopaminähnliche (dopaminerge) Stoffe reagieren, beeinflussen.

Hierzu zählen L-Dopa (Levodopa) und sogenannte Dopamin-Agonisten. L-Dopa ist eine Dopaminvorstufe, die über die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn gelangt und dort zu aktivem Dopamin umgewandelt wird. Dopamin-Agonisten wiederum ahmen im Gehirn die Wirkung des Dopamins nach.

Derartige Wirkstoffe werden bereits seit langem erfolgreich bei der Behandlung des Morbus Parkinson eingesetzt. Allerdings ist das RLS keine Unterform einer Parkinson-Erkrankung, sondern ist eine eigenständige Erkrankung. Unterschiede gibt es auch hinsichtlich der Dosierung: Für die RLS-Therapie werden weitaus geringere Dosierungen der Medikamente verabreicht als im Rahmen einer Morbus-Parkinson-Therapie.

Für die medikamentöse Therapie des primären oder idiopathischen RLS-Syndroms sind in Deutschland zugelassen:

  • L-Dopa (Tablettenform) und die Dopamin-Agonisten
  • Rotigotin (nicht ergoliner Dopamin-Agonist in Pflasterform)
  • Ropinirol (nicht ergoliner Dopamin-Agonist in Tablettenform)
  • Pramipexol (nicht ergoliner Dopamin-Agonist in Tablettenform)
  • Oxycodon + Naloxon (Opioid in Kombination mit einem Opiatrezeptorantagonisten)

Werden bei der Behandlung von RLS-Patienten dopaminerge Medikamente eingesetzt, richtet sich die Therapie grundsätzlich nach dem individuellen Krankheitsbild. Bei der Medikation werden die individuelle Ausprägung hinsichtlich der Schwere der Symptome und der zeitliche Verlauf der Erkrankung ebenso berücksichtigt, wie mögliche Nebenwirkungen. Im Regelfall beginnt eine Therapie mit einer möglichst geringen Medikamentendosis. Diese kann bei Bedarf langsam gesteigert werden, das heißt, eine langsame Eindosierung ist ratsam.


Nebenwirkungen dopaminerger Therapien

Meist treten die Nebenwirkungen in den ersten Behandlungswochen auf. Weil der Beginn einer dopaminergen RLS-Therapie von Medikamentengaben in geringen Dosen gekennzeichnet ist und diese auch nur in kleinen Schritten erhöht werden, lassen sich solche Nebenwirkungen in vielen Fällen verringern oder ganz vermeiden.

Eine Nebenwirkung, die bei der Therapie mit L-Dopa häufiger auftritt als mit Dopamin-Agonisten, ist die sogenannte Augmentation. Darunter ist eine Zunahme der Beschwerden bei gleichbleibender Medikamentendosis zu verstehen, obwohl die Therapie zu Beginn durchaus wirksam war. Konkret bedeutet dies: Die RLS-Symptome können sich verstärken und sogar auf andere Gliedmaßen oder Körperregionen übergreifen. Manchmal treten sie auch früher im Tagesverlauf auf.

Die RLS-Beschwerden können dann ausgeprägter sein als zu Beginn der Therapie. Ein Kreislauf beginnt: Stärkere RLS-Symptome ziehen eine höhere Medikamentendosis nach sich – die Augmentation wird gefördert. Der Ausweg aus diesem Kreislauf kann in einer veränderten Therapie liegen: Der Wechsel von L-Dopa auf einen Dopamin-Agonisten oder auf eine nicht-dopaminerge Therapie kann die Augmentation vermindern oder beenden.


Alternative Medikamentöse Therapie


Neben L-Dopa und Dopamin-Agonisten kommen bei der Therapie des RLS auch andere Medikamente zum Einsatz.

Führt die Therapie mit L-Dopa oder Dopamin-Agonisten nicht zu einer deutlichen Linderung der RLS-Symptome oder kommt es gar zu einer Verstärkung der Symptome (Augmentation), sollte die Therapie umgestellt werden. Für Patienten mit schwerem bis sehr schwerem idiopathischen RLS-Syndrom nach Versagen der dopaminergen Therapie, kann die feste Kombination Oxycodon + Naloxon eine Alternative darstellen.

Darüber hinaus können laut Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (Stand: 2012), Medikamente aus der Epilepsietherapie zur Linderung der RLS-Beschwerden führen. Dazu zählen beispielsweise Gabapentin und Pregabalin. Sie haben ihre Wirksamkeit bei verschiedenen Formen von Nervenschmerzen (sogenannten Neuropathien). Allerdings sind diese Medikamente nicht für die Therapie des RLS-Syndroms zugelassen und deren Einsatz liegt in der individuellen Entscheidung des behandelnden Arztes.

Nicht-medikamentöse Therapien

Nützliche Tipps

Neben Medikamenten können auch nicht-­medikamentöse Ansätze und die Veränderung persönlicher Verhaltensweisen zur Linderung der RLS-Beschwerden beitragen:

  • Schlafhygiene
    RLS-Patienten können versuchen ihre individuelle Schlafqualität zu verbessern, indem bestimmte Regeln eingehalten werden.
  • Selbsthilfegruppe
    Für viele Betroffene ist der Meinungsaustausch mit anderen – zum Beispiel in Selbsthilfegruppen – hilfreich, um besser mit dem RLS­ Syndrom umgehen zu können.
  • Körperliche Betätigung
    Körperliche Aktivitäten können die RLS-Beschwerden lindern.
  • Alternative Heilverfahren
    Manche Patienten berichten über positive Erfahrungen mit alternativen Heilverfahren. Allerdings ist die Wirkung von Akupunktur und Homöopathie nicht wissenschaftlich erwiesen. Die Kosten für diese Therapien sind deswegen nicht Bestandteil des erstattungsfähigen Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen, außer Sie verfügen über eine Zusatzversicherung für diese Heilmethoden.
Die Verbesserung der Schlafqualität, körperliche Betätigung und alternative Heilverfahren können ebenfalls zur Linderung der Beschwerden beitragen.
Die Verbesserung der Schlafqualität, körperliche Betätigung und alternative Heilverfahren können ebenfalls zur Linderung der Beschwerden beitragen.

Allgemeine Regeln für die Schlafhygiene

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