RLS rechtzeitig und richtig diagnostizieren

Kriterien für die Diagnose und gängige Untersuchungen

Die Diagnose des RLS erfolgt anhand typischer Symptome. Man unterscheidet dabei zwischen notwendigen (essenziellen) und unterstützenden (supportiven) Kriterien.

Zu den supportiven Kriterien eines RLS zählen eine positive Familienanamnese, gehäufte periodische Beinbewegungen im Schlaf (PLMS) sowie ein gutes Ansprechen auf dopaminerge Medikamente.

Zusätzliche Kriterien geben darüber hinaus zusätzliche Hinweise auf ein RLS. Hierzu gehören ein gestörter Nachtschlaf und ein unauffälliger neurologischer Untersuchungsbefund.

Hat der Arzt den Verdacht, dass ein RLS vorliegt, dann kann er die Diagnose mithilfe eines sogenannten L-Dopa-Tests erhärten. Der Arzt wird weitere Untersuchungen durchführen, um andere Erkrankungen, die ein sekundäres RLS hervorrufen können, ausschließen oder bestätigen zu können.

ein Patientengespräch

Die weiterführenden Untersuchungen können zum Beispiel Laboruntersuchungen der Nierenfunktion oder des Eisenstoffwechsels sein. Häufig werden auch apparative neurologische Untersuchungen durchgeführt.

Notwendige (essenzielle) Kriterien für RLS-Diagnose

Minimalkriterien für primäres RLS

Im Folgenden sind die vier Minimalkriterien des RLS aufgeführt, die mindestens für eine Diagnosestellung vorhanden sein müssen:

  1. Bewegungsdrang in den Beinen
    Ein Bewegungsdrang der Beine steht gewöhnlich im Vordergrund oder ist dort am stärksten. Es können aber auch andere Regionen des Körpers, wie die Arme oder der Rumpf, betroffen sein.
  2. Unangenehme Empfindungen in Ruhezeiten
    Der Bewegungsdrang wird gewöhnlich von unangenehmen Missempfindungen der Beine begleitet. Die Missempfindungen sind oft in der Tiefe der Unterschenkel lokalisiert und können als Hitze oder Kälte, Kribbeln, Ziehen, Reißen, Schmerzen, etc. wahrgenommen werden.
  3. Besserung der Beschwerden bei Aktivität
    Der Bewegungsdrang und die auftretenden unangenehmen Empfindungen bessern sich ganz oder teilweise durch Aktivitäten wie Laufen und Dehnen, selten auch durch intensive geistige Tätigkeiten (z. B. Computerspiele). Wichtig ist in diesem Zusammenhang: Die Besserung hält zumindest so lange an, wie die Tätigkeit ausgeübt wird.
  1. Schwerpunkt für Beschwerden am Abend und in der Nacht
    Der Bewegungsdrang oder die unangenehmen Empfindungen sind abends oder nachts stärker ausgeprägt als tagsüber. Beziehungsweise die Beschwerden treten ausschließlich am Abend oder in der Nacht auf. Sollten die auftretenden Symptome sehr stark ausgeprägt sein, dann kann dies dazu führen, dass die Zunahme der Beschwerden am Abend oder in der Nacht nicht mehr bemerkt wird. Ferner treten die Beschwerden typischerweise in längeren Ruhesituation am Tag auf, z. B. beim Sitzen. Die Verschlechterung in den späten Tagesstunden muss aber früher bestanden haben.

Unterstützende (supportive) Kriterien für primäres oder idiopathisches RLS-Syndroms


Diagnose des sekundären RLS

Der Arzt stellt die Diagnose RLS grundsätzlich aufgrund des Vorliegens typischer Symptome. Ob andere Erkrankungen das RLS verursacht haben, kann der Arzt mithilfe weiterer Untersuchungen, wie Laboruntersuchungen oder neurologischer Untersuchungen, herausfinden.

RLS kann mit anderen Erkrankungen zusammenhängen

Insbesondere der Nierenfunktion widmet der Arzt in seiner Diagnostik eine große Aufmerksamkeit. Eine eingeschränkte Nierenfunktion zählt zu den häufigsten Ursachen für ein RLS und lässt sich durch Labortests nachweisen. Darüber hinaus kann aber auch Eisenmangel zu RLS-Beschwerden führen. Auch dies kann man durch Laboruntersuchungen nachweisen. Weitere mögliche Ursachen für ein sekundäres RLS können Schilddrüsenfunktionsstörungen oder Vitaminmangelzustände sein.

Die Bestimmung von Schilddrüsenhormonen, Vitamin B12 und des Folsäurespiegels sind bei einem Verdacht auf ein RLS sinnvoll.

Neurologische Untersuchungen


Eine neurologische Untersuchung ist ebenfalls Bestandteil der RLS-Diagnostik, obwohl Patienten mit idiopathischem RLS in der Regel keine auffälligen neurologischen Befunde aufweisen. Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose können aber mit einem RLS-Syndrom gemeinsam auftreten. Darüber hinaus können auch andere neurologische Erkrankungen wie Polyneuropathien, Symptome auslösen, die denen des RLS ähnlich sind.


Bei der Frage, ob eine Polyneuropathie vorliegt, können Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit und der elektrischen Muskelaktivität weiterhelfen. Bei einigen Patienten ist es zudem sinnvoll, eine Untersuchung in einem Schlaflabor durchzuführen.

L-Dopa-Test


Die Beschwerden des RLS-Syndroms können durch Therapien mit dopaminähnlich (dopaminerg) wirkenden Substanzen gelindert werden. Diese Erkenntnis lässt sich zur Unterstützung der Diagnose nutzen. Dies geschieht durch den sogenannten L-Dopa-Test.

Beim L-Dopa-Test wird dem Patienten nach dem Auftreten der RLS-Beschwerden eine einmalige Dosis L-Dopa verabreicht. Anschließend werden die Beschwerden mithilfe von RLS-Schweregradskalen beurteilt. Wenn die Beschwerden durch die L-Dopa-Verabreichung um mehr als 50 Prozent auf der Schweregradskala gelindert werden, ist der Test positiv und unterstützt die Verdachtsdiagnose RLS. Ist der Test negativ, schließt dies aber ein RLS nicht aus.

Bei Verdacht auf ein RLS-Syndrom, kann der Arzt die Diagnose mit einem L-Dopa-Test unterstützen.
Bei Verdacht auf ein RLS-Syndrom, kann der Arzt die Diagnose mit einem L-Dopa-Test unterstützen.
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