Was ist Restless Legs Syndrom (RLS)?

Restless Legs Syndrom: Wenn die Beine keine Ruhe geben

Das Restless Legs Syndrom (kurz: RLS) ist eine Erkrankung des Nervensystems. RLS bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „Erkrankung der unruhigen, ruhe- oder rastlosen Beine“.

Von einem Syndrom spricht man in der Medizin, wenn verschiedene Krankheitsmerkmale, sogenannte Symptome, gleichzeitig auftreten.

Als typische Symptome werden beim RLS Bewegungsunruhe und Missempfindungen in den Beinen beschrieben, die überwiegend am Abend und in der Nacht auftreten und die sich bei Bewegung bessern.

Die Erkrankung wird seit mehr als 300 Jahren unter verschiedenen Namen in medizinischen Berichten und Aufzeichnungen beschrieben. Seit 1945 wird die Bezeichnung Restless Legs Syndrom verwendet. Sie geht zurück auf den schwedischen Nervenarzt Karl Axel Ekbom, auch Ekbom-Syndrom, genannt.

Das Restless Legs Syndrom (kurz: RLS) ist eine Erkrankung des Nervensystems.

Häufigkeit und Ursachen

Frauen erkranken doppelt so oft wie Männer
und ältere Menschen häufiger als junge

Die Neurologie ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit den Erkrankungen des Nervensystems und der Muskulatur beschäftigt. Zum Nervensystem gehören das Gehirn, das Rückenmark und die peripheren Nerven. RLS zählt zu den häufigsten Störungen des Nervensystems. Allerdings wird RLS nur bei einem Teil der Betroffenen auch diagnostiziert.

Häufigkeit

Aktuellen Studien zufolge sind in Europa bei bis zu zehn Prozent der Bevölkerung Restless Legs Symptome zu beobachten. Eine medikamentöse Therapie ist aber nur bei einem Teil der Betroffenen erforderlich.

Grundsätzlich gilt: Frauen erkranken in etwa doppelt so häufig an einem RLS wie Männer – und ältere Menschen häufiger als junge. Wie ausgeprägt die Beschwerden des RLS und der damit verbundene Leidensdruck sind, kann sich im Einzelfall deutlich unterscheiden. Bei vielen Patienten gelingt es, die Beschwerden durch vergleichsweise einfache Änderungen des Verhaltens zu lindern. Bei stärkerer Ausprägung kann eine medikamentöse Behandlung des Restless Legs Syndroms notwendig werden.

Ursachen

Zwar liegen die konkreten Ursachen noch im Dunkeln, aber nach heutigen Erkenntnissen geht man davon aus, dass es sich um eine Fehlfunktion im Stoffwechsel von Überträgerstoffen im Gehirn handelt.

Zu den wichtigsten bekannten Ursachen des RLS zählen:

  • Eisenmangel
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Nierenerkrankungen, die mit einer Einschränkung der Nierenfunktion einhergehen
  • Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse
  • Rheumatoide Arthritis
  • Bestimmte Erkrankungen der Nerven (Neuropathien)
  • Verletzungen des Rückenmarks
  • Schwangerschaft
  • Bestimmte Medikamente, z. B. Antidepressiva oder Neuroleptika

Hauptformen des RLS

 

  • Primäres oder idiopathisches RLS
    Idiopathische Krankheiten sind solche Krankheiten, die keine fassbare Ursache haben bzw. für die (noch) keine Ursachen gefunden wurden. Konkrete Ursachen für das Auftreten eines RLS sind demnach bislang nicht bekannt. Allerdings wurde in manchen Familien ein gehäuftes Auftreten eines RLS gefunden, so dass dort ursächlich Vererbungsfaktoren vermutet werden.

 

  • Sekundäres RLS
    Das sekundäre RLS kann Folge verschiedener Umstände und Faktoren sein. Als häufigste Entstehungsursache finden sich Eisenmangel, bestimmte Erkrankungen wie chronisches Nierenversagen oder Schwangerschaften, wobei sich die RLS-Symptome nach einer Entbindung meist wieder zurückbilden.

Primäres oder idiopathisches RLS:
Hohe Wahrscheinlichkeit für Störung des Dopamin-Hirn‐Stoffwechsels

Die Ursache für ein primäres oder idiopathisches RLS ist unklar. Ärzte vermuten, dass beim RLS der Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn gestört ist.

Dies würde auch erklären, warum eine Behandlung mit L-Dopa, einer Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin, oder mit anderen Medikamenten, welche die Wirkung von Dopamin nachahmen (sogenannten Dopamin-Agonisten), dazu beitragen, die RLS-Beschwerden zu lindern. Wahrscheinlich spielt auch eine Störung des Eisenstoffwechsels bei der Entstehung des RLS eine Rolle.

Beobachtungen deuten außerdem darauf hin, dass erbliche Komponenten bei der Entstehung eines primären oder idiopathischen RLS eine Rolle spielen. Es ist bekannt, dass bei mehr als der Hälfte aller Betroffenen mindestens ein Familienmitglied ebenfalls von der Erkrankung betroffen ist. Patienten mit einem sogenannten familiären RLS, d. h. erblich bedingtem RLS, erkranken häufiger in jüngeren Jahren an RLS als diejenigen, die unter einer nicht familiären Erkrankungsform leiden.


Sekundäres RLS: Ursachen

Wenn andere Erkrankungen ein RLS-Syndrom nach sich ziehen, spricht man auch von einem sogenannten sekundären RLS.

Häufige Beispiele hierfür sind chronisches Nierenversagen, Eisenmangel und Diabetes. Studien zufolge leidet wahrscheinlich jeder fünfte Dialysepatient an den Symptomen eines RLS.

Weitere mögliche Ursachen für sekundäre RLS-Formen sind:

  • Erkrankungen des peripheren Nervensystems
  • Örtliche Narkose der Lendenwirbelsäule (spinale Anästhesie)
  • Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose)
  • Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)
  • Vitamin-B12-Mangel
  • Folsäure-Mangel

Bei einem RLS-Syndrom auf der Basis eines Eisenmangels kann z. B. eine Eisensubstitution wirksam sein. Darüber hinaus werden RLS-Symptome oftmals während der Schwangerschaft beobachtet. Bis zu 30 Prozent aller Schwangeren sind betroffen. Kurze Zeit nach der Entbindung verschwinden die Beschwerden aber meist wieder. Medikamente wie Psychopharmaka können ebenso ein RLS fördern oder gar auslösen.

Krankheitsverlauf von RLS

Verlauf ist oft unterschiedlich

Das RLS-Syndrom ist eine chronische Erkrankung, die in der Regel langsam voranschreitet. Generelle Aussagen über den Verlauf lassen sich nicht treffen. Ein RLS verläuft individuell stark unterschiedlich. Bei Patienten mit idiopathischem RLS können bereits im jungen Erwachsenenalter erste Symptome zu beobachten sein, die zu Beginn oftmals nur gering ausgeprägt sind. Häufig nimmt der Schweregrad dieser Symptome im Laufe der Zeit jedoch zu. Da dies aber nur langsam geschieht, wird das RLS-Syndrom nicht selten erst viele Jahre oder gar Jahrzehnte nach dem Beginn der ersten Beschwerden erkannt und behandlungsbedürftig.

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